Fairness

840 Millionen Menschen leben in Hunger, alle sechs Sekunden stirbt ein Kind dieser Welt an Unterernährung oder deren Folgen. Gleichzeitig sind weltweit 1 Milliarde Menschen übergewichtig. 
Ist das fair?

Jean Ziegler,  UNO-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung, hat dazu eine ganz klare Meinung. Die Welt produziert genug Nahrung, um leicht alle ErdenbürgerInnen zu ernähren. Deshalb, so Jean Ziegler: „Wer heute am Hunger stirbt, wird ermordet.“


Und genauso plakativ kann man auch formulieren: Das Vieh der Reichen frisst das Essen der Armen. Um ein Kilo Fleisch zu produzieren, müssen bis zu zehn Kilogramm Getreide verfüttert werden, in einem Liter Milch stecken fünf Kilogramm. Mehr als ein Drittel des weltweit produzierten Getreides und drei Viertel der gesamten Sojaernte werden verfüttert. Diese auch für den Menschen hochwertigen Lebensmittel stehen den Menschen damit nicht zur Verfügung. In vielen so genannten Entwicklungsländern passiert folgendes: Auf den Ackerflächen, auf denen Lebensmittel für die heimische Bevölkerung angebaut werden könnte, wächst Tierfutter. Oder Genussmittel, wie Kaffee oder Kakao. Und wer kann sich – weltweit gesehen – tierische Lebensmittel, wie Fleisch, Milch, Käse und Eier, leisten? Für wen sind Kaffee und Schokolade eine Selbstverständlichkeit? Und noch dazu so billig?
Ist das fair?

Wir brauchen aber gar nicht so weit zu schauen: Nur fünf Prozent der Bevölkerung in Österreich arbeiten in der Landwirtschaft. Theroretisch versorgen damit diese wenigen Menschen alle anderen mit Lebensmitteln. Doch was bekommt der Bauer/die Bäuerin dafür? Die Preise, die die LandwirtInnen für ihre Produkte erhalten, reichen bei weitem nicht aus, um ihre Existenz zu sichern, Subventionen sind notwendig. Pointiert formuliert bedeutet das: Jeder Mensch braucht und kauft regelmäßig Lebensmittel, doch diejenigen, die sie produzieren, können davon nicht leben.
Ist das fair? 

Dieses Problem konnte der Bio-Boom übrigens leider auch nicht lösen. Auch Bio-Bauern und Bio-Bäuerinnen werden subventioniert.

Und wo sind die Lösungen?
Dass unsere LandwirtInnen von Ihren Erzeugnissen nicht leben können, ist ein Problem, das die Agrarpolitik fordert. Als KonsumentIn kann man hier wenig tun, mit einer Ausnahme: möglichst bei Direktvermarktern einkaufen.
Großen Handlungsspielraum hat jede/-r einzelne aber, wenn es um die weltweiten Ungerechtigkeiten geht:

  • Weniger Fleisch zu essen – am besten nur ein Mal pro Woche – trägt dazu bei, das Welthungerproblem zu entschärfen.
  • Der faire Handel – fair Trade – bietet ProduzentInnen in so genannten Entwicklungsländern faire Preise und Abnahmegarantien, die ihre Existenz sichern. Halten Sie nach dem Fair-Trade-Logo Ausschau: Kaffee, Tee, Kakao und Schokolade, Südfrüche, Fruchtsäfte und Gewürze – Genussmittel, Luxusgüter eigentlich, für die ein höhere Preis mehr als fair ist!